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30. April 2001. Nachrichten: Politik & Recht - Indien Außen- und Verteidigungsminister Singh in Washington

Am 6. April 2001 traf Jaswant Singh - nach dem Rücktritt von George Fernandes auch Verteidigungsminister - in seiner Doppelfunktion mit seinen Amtskollegen General Colin Powell und Donald Rumsfield sowie der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in Washington zusammen.

Neben Fragen der atomaren Proliferation, dem nationalen Raketenabwehrsystem der USA (National Missile Defence - NMD) und dem Kyoto-Protokoll erörterten beide Seiten vorrangig die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, die regionale Situation in Südasien sowie die Entwicklungen in Sri Lanka und Indonesien.

Jaswant Singh bezeichnete gegenüber Powell die nach den indischen Atomtests von 1998 verhängten US-amerikanischen Sanktionen als kontraproduktiv, da sie seiner Ansicht nach nicht den nationalen Interessen beider Länder dienten. Der indische Außenminister unterstrich, daß sein Land keine weiteren Nukleartests plane und dem Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT) nicht im Wege stünde. Mit Verteidigungsminister Rumsfield vereinbarte Singh parallel zum institutionalisierten Dialog zwischen den Außenministerien regelmäßige Konsultationen zwischen den Verteidigungsministerien sowie Besuchsprogramme zwischen den Oberbefehlshabern der verschiedenen Waffengattungen beider Länder.

Nach dem Durchbruch in den indisch-amerikanischen Beziehungen seit dem Besuch von Ex-Präsident Bill Clinton im März 2000 dienten die Gespräche von Jaswant Singh vor allem dazu, das Verhältnis zur republikanischen Administration auszuloten. Dabei zeigte sich der indische Außen- und Verteidigungsminister von der Qualität der Konsultationen überrascht, die über bisher Erreichtes hinausgingen. Beobachter vermuteten, daß Washington anläßlich der diplomatischen Krise um die Aufklärungsflüge über dem südchinesischen Meer Peking einen Wink zur gewachsenen Bedeutung Indiens in seinem geostrategischen Denken geben wollte.

Quellen

  • Klaus Voll, "Bush-Administration konzediert wichtigere Rolle für Indien", FES-Büro New Delhi, 17.4.2001.

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